REISEBERICHT

Klein-Deutschland in New York





Ein Reisebericht von Rita Nowak (Text & Fotos)

Im März diesen Jahres war ich zur Sitzung der UN-Frauenrechtskommission in New York. In der Ständigen Vertretung fand ich einen Stadtplan mit Angaben zu Spuren von Klein-Deutschland in New York. In der „Freizeit“ machte ich mich auf die Suche. Hier mein Bericht:

Die USA war immer ein Land für Auswanderer und auch ein Sehnsuchtsort um Armut, politischer und religiöser Verfolgung zu entgehen. Nach einem Census geben 44 Mio. Amerikaner an, deutsche Vorfahren zu haben. Selbst der derzeitige Präsident hat noch Verwandtschaft in Kallstadt (Rheinland-Pfalz)

Viele deutsche Einwanderer kamen über Ellis Island nach New York und in die USA. Einige blieben, andere zogen weiter Richtung Westen.

Klein-Deutschland („Little Germany“) war im 19. Jahrhundert eines der größten deutschen Viertel in New York City. Es befand sich hauptsächlich auf der Lower East Side von Manhattan, insbesondere in den Vierteln rund um die heutige East Village und das Alphabet City.

Geschichte von Klein-Deutschland

  • Blütezeit (1840er–1880er Jahre):
  • Aufgrund von politischer Unzufriedenheit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland wanderten viele Deutsche in die USA aus. New York wurde dabei zu einem Hauptziel, und insbesondere in der Lower East Side entstand eine große deutsche Gemeinschaft.
  • Bevölkerungswachstum:
    Mitte des 19. Jahrhunderts lebten mehr als 250.000 Deutsche in Klein-Deutschland, was es zur drittgrößten deutschsprachigen Stadt der Welt machte – nach Berlin und Wien.
  • Kulturelle Einrichtungen:
    Die Gemeinde hatte deutsche Schulen, Kirchen, Theater, Brauereien, Biergärten und zahlreiche deutschsprachige Zeitungen (New Yorker Staats-Zeitung s.u.). Besonders bekannt war das „Atlantic Garden“, ein großer Biergarten und Veranstaltungsort.
  • Berühmte Straßen und Orte:
  • Avenue B und Avenue C (heutiges Alphabet City) waren von deutschen Geschäften und Restaurants geprägt.
  • Tompkins Square Park war ein beliebter Treffpunkt für die deutsche Gemeinschaft.

Niedergang von Klein-Deutschland

  • General Slocum-Katastrophe (1904):
    Der Untergang des Dampfschiffs General Slocum auf dem East River, bei dem über 1.000 Mitglieder der deutschen Gemeinde ums Leben kamen, war ein schwerer Schlag für Klein-Deutschland. Viele Überlebende zogen danach in andere Stadtteile wie Yorkville in der Upper East Side oder nach Brooklyn.
  • Assimilation und Umzüge:
    Ab den 1910er Jahren assimilierten sich viele deutschstämmige Amerikaner stärker oder verließen das Viertel in Richtung Harlem, Queens oder weiter nach New Jersey.

Heute gibt es kaum noch Spuren von Klein-Deutschland, aber Straßennamen und einige historische Gebäude erinnern an das einst blühende deutsche Viertel. Ein bekannter Überrest ist die St. Mark’s Evangelical Lutheran Church, die bis heute an die deutsche Vergangenheit des Viertels erinnert.


Brooklyn Bridge


Die Brooklyn Bridge ist eine der berühmtesten Brücken der Welt und verbindet seit 1883 die Stadtteile Manhattan und Brooklyn über den East River in New York City. Sie war die erste Stahlseil-Hängebrücke der Welt und galt als technisches Wunderwerk ihrer Zeit. Der deutsche Ingenieur John August Roebling, ein Einwanderer aus Preußen, plante die Brücke. Sein Sohn Washington übernahm die Leitung nach dessen Tod und seine Frau Emily Roebling übernahm viele Ingenieursaufgaben und leitete das Projekt mit. 

Slocum Memorial Fountain

Der Brunnen erinnert an die Katastrophe des Untergangs der General Slocum in den East River 1904. Mehr als 1000 Menschen verloren ihr Leben.











Carl-Schurz-Park

Carl Schurz (1829–1906) war ein deutsch-amerikanischer Staatsmann, Heerführer, Journalist und Reformer. Er spielte eine bedeutende Rolle in der amerikanischen Politik des 19. Jahrhunderts, insbesondere in der Republikanischen und später der Liberal-Republikanischen Bewegung.


   



Deutsche Feuerversicherung

Die Germania Fire Insurance Company war eine Feuerversicherungsgesellschaft mit Sitz in den USA, die insbesondere im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert aktiv war. Sie war eines von mehreren Unternehmen, die deutsch-amerikanische Gemeinden und Unternehmen betreuten. Die Versicherung wurde 1859 gegründet.

 









Ottendorfer Bücherei/Library



Die New Yorker Staats-Zeitung, oft kurz als „The Staats“ bezeichnet, ist eine der ältesten und bedeutendsten deutschsprachigen Zeitungen in den Vereinigten Staaten. Sie wurde am 24. Dezember 1834 von deutschen Einwanderern gegründet und entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert zu einer der führenden Tageszeitungen in New York City, mit einer Auflage, die nur von der New York World und der New-York Tribune übertroffen wurde.  

Ursprünglich als Sprachrohr für deutsch-amerikanische Anhänger der Demokratischen Partei konzipiert, spielte die Zeitung eine zentrale Rolle in der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft. Im Laufe ihrer Geschichte wechselte sie mehrfach den Besitzer und fusionierte 1934 mit dem New Yorker Herold, wodurch sie bis 1991 unter dem Titel Staats-Zeitung und Herold erschien.  Heute erscheint die New Yorker Staats-Zeitung wöchentlich und informiert über deutsche sowie deutsch-amerikanische Themen, aktuelle Ereignisse in Deutschland und die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Sie bleibt eine wichtige Informationsquelle für Deutschamerikaner in New York, Florida und Philadelphia.  

Heute ist in dem Gebäude eine Bibliothek mit Lesesaal untergebracht.


Liederkranz

Am 9. Januar 1847 gründeten fünfundzwanzig Männer deutscher Abstammung den Deutschen Liederkranz der Stadt New York, einen männlichen Gesangsverein. Es gibt bis heute dort einen Gesangsverein, der aber nur noch in englischer Sprache singt.










(Ehemalige) Deutsche Methodistische Kirche

Das Gebäude wurde 1841 errichtet. Von 1900 bis 1975 wurde es als deutsches Gotteshaus genutzt. Heute ist Missionscenter.











(Ehemalige) Deutsch-Amerikanische Schützengesellschaft

 


 

Die Deutsch-Amerikanische Schützengesellschaft, gegründet 1857, war eine bedeutende Organisation innerhalb der deutschen Gemeinschaft in New York City. Ihr Clubhaus befindet sich noch heute in der 12 St. Mark's Place im East Village, einem Viertel, das einst als Kleindeutschland bekannt war.  

Das Gebäude wurde zwischen 1888 und 1889 vom Architekten William C. Frohne im Stil der deutschen Renaissance erbaut. Es diente als gesellschaftlicher Treffpunkt mit Einrichtungen wie einem Schankraum, Versammlungsräumen, einer Kegelbahn und einem kleinen Schießstand im Keller, wobei die Mitglieder ihre Hauptschießübungen in Queens abhielten. 

Im Jahr 1920 verkaufte die Schützengesellschaft das Gebäude. In den folgenden Jahrzehnten diente es verschiedenen Zwecken, unter anderem als ukrainisches Kulturzentrum. Heute beherbergt das Gebäude ein Yoga-Studio, wobei die historische Fassade erhalten blieb und weiterhin an die deutsche Geschichte des Viertels erinnert.



Aschenbroedel Verein

Der Aschenbrödel-Verein, gegründet 1860 war eine bedeutende soziale und wohltätige Vereinigung von Orchestermusiker und spielte eine zentrale Rolle im kulturellen Leben der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft New Yorks und hinterließ ein architektonisches Erbe, das bis heute im East Village sichtbar ist.

1892 zog der Aschenbrödel-Verein nach Yorkville um, und das Gebäude wurde vom Gesangverein Schillerbund übernommen, der es bis 1896 nutzte. In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude verschiedenen Zwecken.

Seit 1969 beherbergt das Gebäude das La MaMa Experimental Theatre Club.





(Ehem.) Deutsche Baptisten Kirche


Die First German Baptist Church, gegründet 1846, diente der wachsenden deutschen Einwanderergemeinschaft in New York City. Unter der Leitung von Pastor Johannes Eschmann wuchs die Gemeinde rasch und errichtete zwischen 1866 und 1869 ein neues Kirchengebäude an der 334-336 East 14th Street. Der Architekt Julius Boekell entwarf das Gebäude im Rundbogenstil, einem deutschen romanischen Stil, der sich durch große Rundbogenfenster, grob behauene Steinverkleidungen und zwei markante Türme auszeichnete. 

Mit dem Rückgang der deutschsprachigen Bevölkerung im East Village verkaufte die Gemeinde 1926 das Kirchengebäude an die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche des Heiligen Volodymyr. 1962 wurde es von der konservativen jüdischen Gemeinde Tifereth Israel übernommen, die es bis heute nutzt. 

Yorkville – Das zweite Klein-Deutschland in New York



Nachdem das ursprüngliche Klein-Deutschland in der Lower East Side von Manhattan im frühen 20. Jahrhundert an Bedeutung verlor, wurde Yorkville, ein Viertel an der Upper East Side (rund um die 86th Street zwischen Lexington und dem East River), zum neuen Zentrum der deutschen Einwanderergemeinschaft in New York. Die 86th Street („German Broadway“) war das Zentrum des deutschen Lebens, mit Bäckereien, Metzgereien, Biergärten, Restaurants und deutschen Kinos.

Die St. Joseph’s Kirche diente als geistliches Zentrum für die deutsche Gemeinde. Und es gab deutsche Schulen. Vor allem während des Zweiten Weltkrieges geriet die deutsch-amerikanische Gemeinschaft geriet unter Druck, da deutsche Kultur wegen der NS-Zeit mit Misstrauen betrachtet wurde. Viele Deutschamerikaner assimilierten sich stärker.

In der Nachkriegszeit verließen viele Familien Yorkville und zogen in die Vororte oder nach New Jersey. In den 1970er und 1980er Jahren verschwanden viele deutsche Läden und Restaurants, da jüngere Generationen sich mehr an die amerikanische Kultur anpassten.

Obwohl Yorkville heute ein multikulturelles Viertel ist, gibt es noch einige Spuren der deutschen Vergangenheit: Heidelberg-Restaurant, Metzgerei Schaller und Waller und die Steubenparade im September.



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